Sim-Brücke · Fliesen / SHK · Prototyp

Bodengleiche Dusche: Der Fall „Nasse Füße im Flur“

1 · Der Auftrag

Lies den Auftrag. Die Simulation bleibt noch gesperrt. Zuerst musst du verstehen, was zu tun ist.

Auftrag Nr. 2026-B-084

KundeFamilie Schneider ObjektEinfamilienhaus, Bestandsbau Bj. 1978, Bad im 1. OG (2,40 m × 2,80 m) VorgeschichteKomplettsanierung vor drei Monaten. Alte Acryl-Duschwanne raus, neu: bodengleiche Walk-In-Dusche 1,20 m × 1,00 m mit Duschrinne und Großformatfliesen. Beanstandung„Das Duschwasser läuft bei normalem Duschen fast bis zur Badezimmertür. Im Flur riecht es muffig, und an der Decke vom Gäste-WC darunter sind dunkle Feuchtigkeitsränder.“ BefundeAufbauhöhe Rohdecke bis OKFF: nur 85 mm. Gefälle Duschbereich: 0,5 %. Regenbrause: 18 l/min. Feuchte unterer Estrichrand: 98 Digits (gesättigt).

Dein Arbeitsauftrag

Finde heraus, welche Fehler beim Einbau gemacht wurden, und erkläre die Zusammenhänge zwischen Aufbauhöhe, Gefälle und Abdichtung. Plane den fachgerechten Aufbau und die Prüfungen an der Baustelle. Am Ende erklärst du Familie Schneider in drei Sätzen, was passiert ist.

2 · Deine Vorhersage

Lege dich fest, bevor du die Simulation benutzt. Falsche Vorhersagen sind erlaubt. Genau aus ihnen lernst du am meisten.

3 · Erforschen

Arbeite im Tandem: Eine Person bedient die Simulation, die andere notiert. Die Aufträge haken sich automatisch ab, sobald der Zustand erreicht ist. Zeitraffer: Solange die Dusche läuft, vergeht pro Sekunde etwa eine Woche Nutzung.

  • F1 · Normalzustand. Stelle Normbedingungen ein: Aufbauhöhe 105 mm, Gefälle 2,0 %, Abdichtung 100 %. Dusche an. Beobachte Abfluss und Feuchte.
  • F2 · Grenzwert finden. Wie viel Gefälle braucht es mindestens, damit das Wasser bei laufender Dusche gerade noch ohne Überlauf zur Rinne abfließt?
    %
  • F3 · Schadensbild erzeugen. Stelle den Fall Schneider ein: Aufbauhöhe 85 mm, Gefälle 0,5 %, Abdichtung 40 %. Lass die Dusche über Wochen laufen. Wann merkt man den Schaden?
  • F4 · Gegenprobe. Stelle bei voller Aufbauhöhe ein übermäßiges Gefälle von 3,0 % ein. Welche Folgen hat das für Belag und Nutzung?

4 · Regel formulieren

Vergleiche zuerst deine Vorhersage mit dem, was die Simulation gezeigt hat. Formuliere dann die Regeln selbst. Die Musterregel siehst du erst danach.

FrageDeine VorhersageDie Simulation zeigt

Musterregel

Gefälle: Ein bodengleicher Duschbereich braucht ein durchgängiges Gefälle von 1,5 bis 2,0 % zur Rinne. Nur dann fließt das Oberflächenwasser zuverlässig und ohne Rückstau ab. Zu viel Gefälle (über ca. 2,5 %) erzeugt Rutschgefahr, Stolperkanten und viel Verschnitt bei Großformaten.

Abdichtung: Fliesen und zementäre Fugen sind konstruktionsbedingt wasserdurchlässig. Darunter muss eine lückenlose Verbundabdichtung liegen, mit hohlraumfrei eingebetteter Dichtmanschette und unbeschädigten Dichtbändern. Jede Fehlstelle lässt bei jedem Duschgang Wasser in Estrich und Dämmung. Der Schaden zeigt sich erst nach Wochen, und dann ist er bleibend.

Aufbauhöhe: Rinne mit Siphon, Rohrgefälle und Mindestüberdeckung brauchen Platz. Ist die Aufbauhöhe zu gering, wird am Gefälle oder an der Estrichüberdeckung gespart. Die Folgen sind Überlauf, Risse über dem Rohr und schleichende Durchfeuchtung. Lösung: flaches Sanierungssystem wählen, nicht an Gefälle oder Abdichtung sparen.

Wo weicht deine Regel ab? Ergänze sie oben, bevor du weitergehst.

5 · An die Werkbank

Jetzt zählt das echte Bauteil. Die Simulation ist gesperrt, denn sie ersetzt keine Minute Handwerk.

a) Arbeitsplan: Bring die Schritte in die richtige Reihenfolge

    b) Messen am Übungsaufbau oder auf der Baustelle

    Miss und trage die Werte ein. Kein Aufbau verfügbar? Dann gibt die Lehrkraft Messwerte vor.

    MessungWert

    6 · Rückkopplung

    Deine echten Messwerte gehen zurück in die Simulation. Hält dieser Aufbau dem Duschbetrieb stand?

    MessungWertBewertung

    „Prüfen“ lädt den Wert in die Simulation, setzt alle anderen Größen auf Soll, baut den Duschbereich neu auf und startet die Dusche. So siehst du die Wirkung genau dieses einen Werts.

    Auflösung: Auftrag Nr. 2026-B-084

    Ursache: Die Aufbauhöhe von 85 mm reichte für das gewählte Rinnensystem nicht. Um Höhe zu sparen, wurde das Gefälle auf 0,5 % reduziert. Das Wasser staut sich und läuft über. Zusätzlich wurde die Dichtmanschette der Rinne mit Hohlräumen und Falten eingebettet und das Dichtband an der Wandecke beim Verfliesen beschädigt. Über Monate drang so bei jedem Duschgang Wasser unbemerkt in Estrich und Dämmung.

    Maßnahmen: Fliesenbelag und durchnässten Gefälleestrich im Duschbereich komplett zurückbauen. Deckenkonstruktion technisch trocknen. Flaches Sanierungsablaufsystem (z. B. ab 60 mm Bauhöhe) mit ausreichender Ablaufleistung einbauen. Gefälleestrich mit 2,0 % neu einbringen. Verbundabdichtung lückenlos nach DIN 18534 mit fachgerecht eingebundener Manschette und Dichtbändern ausführen. Neu verfliesen.

    Kundenerklärung (Beispiel): „Beim Umbau reichte die Höhe im Fußboden nicht aus, deshalb wurde die Dusche mit zu wenig Gefälle gebaut, und das Wasser läuft ins Bad. Zusätzlich ist die Abdichtung unter den Fliesen am Ablauf undicht, sodass monatelang unbemerkt Wasser in den Boden und bis in die Decke darunter gesickert ist. Wir müssen den Duschboden öffnen, Estrich und Decke trocknen und die Dusche mit einem flachen Spezialablauf und einer dichten Abdichtung neu aufbauen.“

    Lernprotokoll

    Deine Eingaben werden nicht gespeichert. Lade das Protokoll herunter oder drucke es, bevor du die Seite schließt.

    Simulation gesperrt

    Simulation: Schnitt durch den Duschboden

    Vereinfachtes Lehrmodell · Gefälle überhöht dargestellt · Zeitraffer: 1 s Dusche ≈ 1 Woche Nutzung

    Gäste-WC (EG), Decke von unten Rohbetondecke Dämmung Gefälleestrich Abwasserrohr Flur Bad Duschbereich Rinne Fliese + Abdichtung
    Wasserabfluss
    –
    Estrich-Restfeuchte
    –
    Überdeckung über Rohr
    –
    Rissrisiko Belag
    –
    Belag / Nutzung
    –
    Nutzungsdauer
    –
    Dusche aus.

    Sim-Brücke · Prototyp v0.1 · Vereinfachtes Lehrmodell. Es gelten die Herstellerangaben und DIN 18534. Die Simulation bereitet die Arbeit am realen Bauteil vor und ersetzt sie nicht.

    Hinweise für Lehrkräfte

    Lernziel

    Die Auszubildenden können anhand baulicher Vorgaben (Rohdeckenhöhe, Ablaufposition, Estrichaufbau) die Schichten einer bodengleichen Dusche fachgerecht planen, das erforderliche Gefälle und die Verbundabdichtung normgerecht dimensionieren sowie typische Montagefehler und deren Spätfolgen diagnostizieren.

    Das Modell „Sim-Brücke“

    PhaseZweckZeit
    1 AuftragEchter Kundenfall statt Thema5 min
    2 VorhersageVorwissen und Fehlvorstellungen sichtbar machen. Wird festgeschrieben, bevor die Simulation öffnet.5–10 min
    3 ErforschenGezielte Aufträge: Normalzustand, Grenzwert, Schadensbild mit Zeitversatz, Gegenprobe15–20 min
    4 RegelVorhersage und Befund vergleichen, eigene Wenn-dann-Regeln, dann Musterregel10 min
    5 WerkbankArbeitsplan und reale Messungen (Höhe, Gefälle, Schichtdicke, CM-Messung). Simulation bewusst gesperrt.45–90 min
    6 RückkopplungReale Messwerte ins Modell, Reflexion, Kundenerklärung15 min

    Sozialform und Rolle

    Typische Fehlvorstellungen

    Leitfragen für die Nachbesprechung

    Grenzen des Modells